Segeln am Plattensee

Da unser Nachbar Karlheinz ein begeisterter Segler mit allen erforderlichen Segelscheinen ist,
waren wir begeistert, als er uns zu einem Segeltörn im Mittelmeer mitnehmen wollte. Um etwas
Erfahrung zu sammeln, vereinbarten wir erst mal am Plattensee ein Segelschiff für vier Tage zu
chartern.

Vorbereitung

Schnell war ein gemeinsamer Urlaubstermin (19.06.2010) gefunden und die Vorbereitungen
konnten somit beginnen. Segeln wollten wir vom 20.06.201 bis 23.06.2010.
Beide, Karlheinz und ich, stöberten im Internet nach geeigneten Segelschiffen bzw. Charter-
Unternehmen. Mit der “Maria”* (eine Dolphin 26) fanden wir nach Meinung von Karlheinz auch
ein für uns nicht zu kleines Segelschiff in Balatonfüred am Plattensee. Die “Maria”* hatte, außer
den segelrelevanten Details die Karlheinz interessierten, unter anderem Kühlschrank, Radio und
Toilettenkabine an Bord. Also wurde mit dem Charterer die Reservierung für vier Tage vereinbart
und der Mietvertrag geschlossen.
Bis zum Segeltermin besorgte ich mir noch mehr Informationen über den Plattensee bzgl.
Orientierungspunkte der Häfen, Windverhältnisse, Wellengang am Balaton, Strömungsverhältnisse
usw.. Sogar ein Tauwerk-ABC fand ich im Internet und Animationen für Seemannsknoten, mit
denen wir üben konnten. Ein Kassenbuch habe ich selbst erstellt, da ich die Kasse führen sollte und
Karlheinz nahm ein Logbuch mit. Also waren wir bestens ausgerüstet.
Voller Freude starteten wir dann Freitag Nachmittag zu viert Richtung Plattensee. Da wir das
Segelschiff von Sonntag bis Mittwoch gechartert hatten, blieben wir bis Sonntag Früh in unserem
alljährlichen Urlaubsort Alsòbahok, bei Heviz, bei meinem Bekannten Bene im Weinberg.

Am Sonntag gegen 8.15 Uhr gings Richtung Balatonfüred und wir erreichten um 9.30 Uhr den
“Ferenc Yacht Klub”*, den Heimathafen unserer “Maria”*.

Am Balaton

Schon auf der Fahrt nach Ungarn wurde uns klar, dass wir kein großes Glück mit dem Wetter haben
werden. Und so war es dann auch. Herr Puszka* empfing uns am Yachthafen und Karlheinz
übernahm von ihm die “Maria”*. Auf Zeichen von Karlheinz konnten wir dann auch auf die Yacht.
Anschließend luden wir unsere Sachen vom Auto aufs Segelschiff und gingen in die nahe gelegene Yachtbar (großes Pavillon-Zelt) um etwas zu essen.
Und hier wurde uns erst das Wetter so richtig bewusst: Der Himmel hängt voller Wolken mit leichtem Regen, und die Temperaturen - 18° -! Karlheinz meinte, solange es nicht ständig regnet, macht das alles nichts aus. Also schlenderten wir zur “Maria”* zurück, um heute noch eine kleine Probefahrt zu machen. Mit wenigen Worten erklärte uns KH (Karlheinz), was zu tun wäre. Und tatsächlich waren wir nach wenigen Minuten auf dem Balaton draußen. Überall sah man kleine und große Segelboote und wir kreuzten vor unserem Yachthafen. Doch plötzlich kam starker, in allen Richtungen drehender Wind auf und schwarze Wolken zogen auf. Dies bewog KH, sicherheitshalber in den schützenden Hafen zu fahren. Und hier sah man, wie stark der Wind bereits ging, er trieb uns immer wieder von unserem Liegeplatz weg, obwohl wir mit Motor einfuhren und KH die Windtriftung berücksichtigte. Und kaum angelegt, begann es richtig zu regnen. Schnell verzogen wir uns unter Deck um hier eine große Überraschung zu erleben. Wir wollten uns Kaffee und Tee zubereiten und mußten nun leider feststellen, dass wir weder eine Kochplatte noch einen
Wasserkocher an Bord hatten.
Mit dieser Erkenntnis begannen wir dann, die “Maria”* erst richtig zu begutachten.:

1. keine Kochplatte oder Wasserkocher an Bord
2. Teppichboden! an Bord, der sich aufstellt und ständig verrutscht
3. Ein Tisch, der viel zu hoch ist, so dass man Schmerzen in den Armen bekommt, wenn man drauf schneiden will
4. Kein normales Besteck bzw. Geschirr an Bord, sondern nur Plastik-Besteck und Plastik- Teller/Becher
5. Eine Toiletten-Kabine, in der man sicht nicht mal umdrehen, bzw. sich die Hose hochziehen kann
6. In den Schlafkojen war Teppichboden!! an der Schiffswand - nach unserer Meinung nicht sehr hygienisch
Und zu guter letzt stellte sich nach der dritten Nacht heraus, dass es bugseitig naß rein ging.

So, nun hatten wir den Salat: wir konnten nichts kochen und müssen zum Essen gehen. Und der
Regen nahm zu und der Wind wurde auch stärker. Also war der Tag für heute gelaufen, es gab nur
kalte Küche, die wir ja so wie so dabei hatten. Wir gingen dann wieder in die Yachtbar, die wir dann
einfach Jaguar nannten, da an diesem Tag Jaguar-Autos ausgestellt wurden. Nach eins bis vier
Weizen gings dann die paar Schritte zur “Maria”* zurück.
Der Montag wurde noch schlechter, sehr starker Wind - über 40 Knoten, ständig starker Regen und
Temperaturen 17 - 18°. Kein Gedanke an Segeln - zu Starker Wind!! Wir gingen ins Jaguar
Frühstücken, wanderten durch Balatonfüred - und, wir konnten nicht Segeln! Ach ja, habe ich ganz
vergessen- der Windmesser auf der “Maria” war k a p u t t !! Also mußten wir uns die
Informationen täglich im Touristikbüro holen, da es in den ganzen Yacht-Häfen von Balatonfüred
keine entsprechende Informationen gab.
Es folgte eine sehr unruhige Nacht: weiter sehr starker Wind bzw. Sturm.
Und heute, Dienstag, noch stärkerer Sturm als gestern- bis 45 Knoten, zeitweise Regen.
16.30 Uhr - der Regen hat aufgehört, der Sturm hält weiter an, mal schwächer , mal stärker - bis
Orkanstärke. Der Wind pfeift durch die Takelagen, als ob eine Pfeife installiert wäre.
So, unser letzter Tag in Füred. Wieder sehr starker Wind, Temperatur 18,6°. Obwohl wir bis 17.00
Uhr segeln könnten haben wir darauf verzichtet, da die Windverhältnisse zu unsicher waren. Also
räumten wir unsere Sachen wieder ins Auto und gaben um ca. 11,00 Uhr die “Maria”* zurück.
Der Regen hatte Gott sei Dank aufgehört.
Auf dem Weg nach Alsòbahok kam dann sogar die liebe Sonne wieder leicht durch. Und am Berg
war auch starker Wind.
Am nächsten Tag jedoch war der Wind schwach, die Sonne brannte runter und wir hatten kein
Schiff mehr. Schade.
Das war unser erster Segeltörn.

Aber wir freuen uns schon auf den Großen Törn im September im Mittelmeer!!

Gerd

* Namen geändert