Eine nicht ganz normale Überführung der Leonardo von Pula nach Funtana.

Das Schiff sollte in Pula bei der einen Firma ausgeflaggt werden (Trend-Travel-Yachting = Sargaso D.o.o.) und anschließend wieder in Porec bei Riegg D.o.o. wieder eingeflaggt werden.
Wir hatten eine Maßgabe für die Überführung, am Mittwoch um 08:00 Uhr in Porec zu sein, weil um 08:30 ein Termin beim Notar in Porec vereinbart war.

Nachdem am Vortag noch Schneetreiben angesagt war, fuhren wir am Vortag, also Dienstags um 23:00 Uhr bei Thomas los.
Ich fahr auch gerne Auto. Aber das machen andere auch. So kam ich nicht in den Genuss, hinter dem Steuer eines VW-Busses zu sitzen. Ich nutzte die Zeit für Meditationen und es gelang mir immer wieder, mich in Halbschlaf zu versetzen. So verging für mich die Zeit wie im Flug und wir waren nach gefühlten 2 Stunden in Porec. Tatsächlich war es 06:00 Uhr morgens. Wir suchten den von Thomas R vorgegebenen Parkplatz eines Supermarktes um dort noch Frühstück zu machen. Wir hatten gerade eingeparkt und begonnen, die Brotzeittasche auszupacken, als plötzlich die Alarmanlage des Supermarktes losging. Das Blinken und „Huii huii“ im Zusammenhang mit unserem Aufenthalt vor dem Supermarkt veranlasste uns, diesen ungastlichen Ort schnellstmöglich zu verlassen. Wir warteten nur darauf, dass die Polizei uns aufhielt und festnahm. Aber nichts dergleichen passierte. Wir konnten ruhig in das Stadtzentrum fahren, wo wir uns einen Platz auf einem öffentlichen Parkplatz suchten. Der Platz lag in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marktplatz in Porec, an dem auch ein Caffee zu finden war, das bereits geöffnet hatte. Wir suchten uns einen Tisch im Wintergarten, der durch eine Planenwand gegen die Kälte geschützt war. In der Mitte war ein Heizpilz in Betrieb, der es tatsächlich schaffte, die Temperatur auf ein erträgliches Maß anzuheben. Der Kaffee schmeckte vorzüglich und und unsere Raucher warens ebenfalls zufrieden, da im Wintergarten Aschenbecher aufgestellt waren, was ausgiebig ausgenutzt wurde.

Gegen 07:30 lösten wir eine Ausfahrtkarte und fuhren wieder zum vereinbarten Supermarkt. Thomas R. kam auch nach ein paar Minuten an. Er hatte die Verträge einstecken und wir, das heißt Thomas und ich, stiegen zu ihm ins Auto um zum Notar zu fahren. Beim Notar angekommen stellten wir fest, dass wir erneut ein Caffee aufsuchen konnten/mussten, weil mindestens 45 Minuten noch bis zur Öffnung Zeit war.

Endlich öffnete die Kanzlei und wir durften gegenüber einer der beiden Damen im Vorzimmer Platz nehmen. Thomas R überreichte die Verträge und sprach mit der Dame zunächst in kroatisch, dann auch in deutsch, das sie auch ein wenig beherrschte. Nach einigen Minuten in denen emsig Papiere hin- und hergeschoben wurden, im Computer Einträge gemacht worden waren, fiel mir auf, dass auf einem der Papiere mein Name falsch geschrieben war. Das blanke Entsetzen war im Gesicht von Thomas R. Zu lesen. Es lockerte sich, als ich eine korrigierte Kopie des Vertrages aus der Tasche ziehen konnte, das ich vorsichtshalber zu Hause noch ausgedruckt hatte. Allen beteiligten fiel ein Stein vom Herzen. Wir übergaben für den Vergleich der Daten unsere Ausweise. Plötzlich deutete die Dame auf meinen Ausweis und sagte, dass mein Name immer noch nicht korrekt aufgeführt sei. Es fehlte der zweite Vorname. Dieses Mal durchfuhr der Blitz uns alle drei. Wir hatten weder die Verträge als Datei dabei, noch korrektere Kopien. Thomas und ich sahen uns in Gedanken bereits auf dem Rückweg nach Deutschland um den Akt der Vertragsunterzeichnung in einigen Tagen auszuführen. Die nette Dame aus dem Notariat begann auf der Tastatur zu tippen und nach langen, nein, sehr langen, Minuten des Wartens, druckte Sie die Namenszeilen auf einem weißen Blatt Papier aus, schnitt die beiden Zeilen aus, klebte sie auf die Originaldokumente und kopierte die Seite. Die Schrift war zwar nicht exakt die selbe, was aber im Augenblick keine Rolle spielte. Der Unterschriftsakt war gerettet. Nach den Unterschriften unsererseits und der Kontrolle der Ausweisdaten, bestätigte eine Notarin die Verträge und wir konnten hocherfreut die Rückfahrt zu unseren Freunden am Supermarkt antreten. Das war innerhalb von wenigen Stunden bereits die zweite Adrenalinspitze an diesem Tag.

Wir verabschiedeten uns von Thomas R. Und begaben uns etwas später, als ursprünglich geplant, auf die Fahrt nach Pula. Nachdem inzwischen klar war, dass wir den mitgeteilten Termin 10:00 Uhr nicht einhalten konnten, versuchte ich eine Verbindung zu Paolo in der Marina Veruda zu bekommen. Auf der Nummer, die ich von früheren Verbindungen her hatte, antwortete aber immer nur ein Faxgerät. Wir sahen schon die nächste Katastrophe auf uns zukommen, indem wir das Marinabüro verlassen wähnten. Auf dem Marinagelände zeigte sich dann, dass Paolo vor Ort war. Er zeigte uns das Schiff und drückte uns ein Übergabeprotokoll in die Hand, das sowohl Thomas, als auch ich unterschreiben sollten. Dass beide Unterschriften vorhanden sein müssen, war ihm von Herrn Hannes Grassl wohl recht intensiv ans Herz gelegt worden. Wir sprachen noch über die alten Segel, die Paolo dann noch an Bord brachte, unterschrieben das Übergabeprotokoll und verabschiedeten uns schließlich von Paolo und auch von Thomas, der den Bus nach Porec verholen wollte. An Bord waren Sepp, Georg, Hans und ich. Die Maßgabe war, kroatische Gewässer zu verlassen und in einem großen Bogen nach Porec zu fahren um dort wieder einzuklarieren.

Wir fuhren also aus dem Hafen und setzten Kurs Richtung Italien. Auf dem freien Wasser zeigte sich eine unangenehme Welle, die aus Süden heranrollte. Nachdem kaum Wind zu spüren war, waren das wohl die Überreste eines kräftigen Jugo. Ich machte mich schon darauf gefasst, wie üblich, Seekrank zu werden. Aber nach einer Stunde waren immer noch keine Anzeichen zu spüren. So ging ich unter Deck um die Navigation zu erledigen. Das Land wurde immer kleiner, bis es schließlich im Dunst versank und wir nur mehr Wasser um uns hatten. Obwohl wir wussten, dass ein paar Meilen zurück die kroatische, in der entgegengesetzten Richtung ebenfalls nur einige Meilen weiter, die italienische Küste lagen, stellte sich in dieser Situation wieder dieses suchterzeugende Glücksgefühl ein, das keine Rauschmittel braucht, einen aber in einen Zustand versetzt, als hätte man mehrere Promille im Blut, wobei es körperlich, Gott sei Dank, nicht dieselben Auswirkungen hat.

Nach ca. 2 Stunden änderten wir unsere Richtung. Unsere Position war inzwischen unmittelbar vor der Grenze zum VTG, das vor Porec endet. Wir folgten der VTG-Grenze bis auf Höhe Porec um hier, inzwischen war es finster geworden, den Kurs wieder zu ändern. Noch bei Tageslicht bemerkten wir, dass sehr viele relativ große Holzstämme und Äste im Meer trieben. Nach Anbruch der Dunkelheit, rammten wir einen dieser Bäume. Es ist ein häßliches Geräusch, wenn ein hörbar schweres Teil mehrfach gegen den Rumf schlägt und schließlich nach hinten auswandert. Ich hielt mich zu diesem Zeitpunkt unter Deck auf. Auf das Schlimmste gefasst, stürzte ich an Deck um unser Kielwasser zu beobachten. Den Baumstamm sah ich nicht mehr. Aber das Schraubenwasser zeigte an, dass die Schraube unbeschädigt geblieben war und die Aufregung legte sich wieder.

Schließlich tauchten die Lichter von Porec auf und wir nahmen Kurs auf die westliche Einfahrt, die durch Leuchtfeuer gekennzeichnet ist und eine sichere Einfahrt gewährleistet. Im Hafen legten wir am Zollsteg an. Die Leinen waren noch nicht fest, sahen wir Thomas schon auf den Zollsteg kommen. Er sprach längere Zeit mit dem Personal, das sich in der kleinen Zollhütte auf dem Steg aufhielt, bevor er zu uns aufs Schiff kam. Nach dem Festmachen, sammelte ich die Ausweise ein, klemmte die Papiere unter den Arm und begab mich ebenfalls zum Zollhäuschen. Darin saßen zwei hübsche, junge Frauen (alles relativ, aber für mich war es so), von denen eine in Uniform nur kroatisch sprach, die andere Frau, die offensichtlich zu Besuch, weil ohne Uniform, war, konnte Englisch und übersetzte.
Ich erklärte, dass das Schiff längere Zeit in Kroatien bleiben sollte. Die Beamtin überreichte mir daraufhin ein Crew-Listen-Formular, das ich ausfüllen musste. Nachdem die Ausweise überprüft waren und jedes Blatt mit einem gewichtigen Siegel bestempelt war, wurde ich mit der Information wieder entlassen, dass wir uns einen Platz in der Marina suchen sollen. Mit diesen Worten im Kopf ging ich zurück zum Schiff. Ich war der Meinung, dass das Schiff den Zollsteg nicht verlassen durfte und die Damen sagten, dass wir uns in der Marina einen Platz suchen sollten.
Nachdem Thomas das gehört hatte, war er Feuer und Flamme für die Idee, das Schiff gleich nach Funtana zu verlegen. Er brachte mich dazu, nocheinmal zum Zollhäuschen zu gehen und zu fragen, ob wir auch nach Funtana fahren dürften. Gesagt, getan – am Zollhäuschen angekommen packe ich mein bestes Englisch aus um zu erfahren, dass wir auch nach Funtana fahren dürften. Thomas geht gar nicht mehr zum Schiff, sondern begibt sich sofort zum Auto und fährt los nach Funtana, während ich zum Schiff zurückgehe und Thomas R. anrufe, weil mir das in Kroatien „spanisch“ vorkommt. Thomas sagt „Bloß nicht nach Funtana kommen“. Weil das Schiff in der Frühe wieder am Zollsteg liegen muss, damit es zum Import durch den Zoll gehen kann. Nach dem Gespräch mit Thomas R. rufe ich sofort Thomas auf dem Handy an. Es antwortet nicht. Sepp versucht es ebenso und scheitert am selbigen Sachverhalt. Ich mach mich derweilen erneut auf den Weg zum Zollhäuschen. Die beiden Damen sehen mich fragend an und als ich das soeben Erfahrene zum Besten gebe, merke ich, dass die bisher so überfreundliche Stimmung nicht mehr so locker ist. Die Damen erklären mir, dass der Zollsteg für polizeiliche Tätigkeiten und Anmeldungen bestimmt ist, die jetzt erledigt sind und wir den Zollsteg verlassen „müssen“. So suchen wir und werden in unmittelbarer Nachbarschaft fündig. Wir verholen das Schiff und legen mit dem Heck zur Hafenstraße an der Pier an. Es liegt eine Mooringleine an einem Ring, die wir aufnehmen und uns daran festmachen. Dann beginnt der gemütliche Teil des Abends. Abendessen wird aufgetischt und zum Trinken gibt es Bier, Whisky, Wasser und Cola. Aber es fehlt ein wesentlicher Bestandteil. Thomas. Er taucht nicht auf. Gegen 23:00 Uhr verziehen wir uns in die Kojen. Am nächsten Tag ist gegen 07:30 bereits Thomas R. am Schiff. Ich merke etwas Kopfweh und führe es auf den Whiskygenuss des Vorabends zurück. Nach einem Glas Wasser wird es aber schon leichter. Wir gehen mit Thomas R. zusammen in ein Caffee, das er kennt. Hier warteten wir darauf, dass die Dame von der Speditionsfirma komme, die die Zollpapiere für die Leonardo machen sollte. Während wir so sitzen, kommt ein VW-Bus angefahren mit Thomas am Steuer. Wir winken ihm und er suchte sich, nachdem er uns erkannt hatte, einen Parkplatz und setzte sich zu uns. Noch etwas zerknittert erzählt er, dass er sich so etwas gedacht hatte, aber nicht mehr zurückfahren wollte. Er hatte ohne Schlafsack, der ja im Schiff deponiert war, im Auto übernachtet. Entsprechend durchgefroren war er zu dieser Zeit. Endlich tauchte auch die Speditionsdame auf. Thomas und ich machten uns auf den Weg zum Schiff, wo die Dame bereits auf uns wartete. Nach der Begrüßung bereiteten wir die Zollformalitäten vor. Wir suchten die Stellen für die wichtigen Nummern, die der Zoll benötigte. Rumpfnummer, steuerbord, achtern aussen unter den Lippklampen und die Motornummer, im Motorraum ganz hinten an der Kupplungsglocke und damit ganz schwer abzulesen. Um das Prozedere zu erleichtern notierte ich die Motornummer auf einen Zettel, den ich einsteckte.

Nach ca. einer Stunde erschien der Herr vom Zollamt. Thomas R. las die Rumpfnummer vor und ich die Motornummer vom Zettel. Natürlich den Kopf in den Motorraum steckend.
Die Prozedur war im Prinzip unkompliziert. Der Herr vom Zoll störte sich nur an dem „Pula“-Aufdruck am Heck, da diesen Aufdruck nur in Kroatien zugelassene Schiffe haben, die im Charterbetrieb fahren. Auch nach mehrmaligen Erklärungen war er skeptisch. Schließlich ließ er sich aber überzeugen und ging zusammen mit der Speditionsfirmendame zum Zollamt um die Papiere fertigzumachen.

Wir warteten.

Nach einer Stunde war noch nichts zu sehen. Auch das Handy von Thomas R. blieb stumm. Nach einer weiteren Stunde herrschte immer noch die selbe Situation. Thomas R. rief schließlich bei der Dame an und erfuhr, dass die Papiere soweit fertig seien und wir zum Hafenkapitän gehen könnten. Wir taten, wie uns geheißen, wobei mir bei dem Stück im Büro des Hafenkapitäns eine Zuhörerrolle zugeteilt wurde. Thomas R. wollte eine Ausnahmegenehmigung für uns erreichen, dass wir die Leonardo ohne Vignette die 5 Seemeilen nach Funtana fahren dürften. Wir erhielten zwar keine Sondergenehmigung, der Hafenkapitän stempelte unsere Crewliste ab und machte eine Geste, die bedeuten sollte: Verschwindet, fahrt von mir aus ohne Vignette. Thomas R. schickte uns draußen sofort auf die Strecke. Wir sollten nicht mehr im Hafen bleiben, sondern sofort losfahren.

Die anderen Crewmitglieder waren inzwischen wieder alle am Schiff, so dass wir unmittelbar danach die Leinen loswerfen und den Hafen durch die östliche Ausfahrt verlassen konnten. Wir hielten uns gut von den Untiefen frei. Wir nahmen zunächst Kurs Vrsar auf um noch den Tank zu füllen. Es fühlte sich gut an, alle Formalitäten ohne größere Probleme erledigt zu haben. Am Horizont erschien ein winziger Punkt, der sich bald als Wasserfontäne herausstellte.

Ich frozelte „Das wird die Polizei“ sein. Was sich leider als richtige Prognose erwies. Sie hielten exakt auf uns zu und waren nach ein paar Minuten so nahe, dass wir die Geschwindigkeit aus dem Schiff nahmen, damit sie bei uns längsseits gehen konnten.

Die obligatorische Frage, woher wir den kämen, beantwortete ich wahrheitsgemäß, was aber offensichtlich nicht den gewünschten Eindruck hinterließ. Die Beamten ließen sich die Papiere aushändigen. So wechselten Crewliste, Bootsschein und die Ausweise auf das Polizeiboot. Zunächst wurde, von einem, durchaus höflichen, Polizeibeamten, die Frage gestellt, warum wir keine Vignette hätten. Ich versuchte die Situation zu erklären. Die Erklärung wurde aber offensichtlich als nicht stichhaltig angesehen. Das Polizeiboot trieb wieder weg, während die beiden Beamten diskutierten. Dann näherte es sich wieder um die nächste Frage zu stellen, der im Prinzip wieder die gleiche Antwort folgte. Wieder Rückzug und Beratung. Dieses Spiel dauerte cirka eine Stunde an. Schließlich wurden uns die Unterlagen wieder überreicht, mit der Anweisung: „Fahren Sie nach Funtana. Morgen kaufen Sie in Porec eine Vignette“. Nachdem ich zugestimmt hatte, verließen uns die beiden Herren und positionierten ihr Boot in Sichtweite.

Da ich jetzt nicht mehr nach Vrsar weiterfahren wollte um nicht noch weitere Verwicklungen zu provozieren, drehten wir um und fuhren nach Funtana, das wir nach 30 Minuten erreichten. Unbehelligt legten wir die Leonardo auf den für sie vorgesehenen Platz. Das Ausräumen gestaltete sich kurz, da das Gepäck auch nur für die beiden Tage ausgelegt war. Wir übergaben Thomas R. die Unterlagen und verabschiedeten uns um die Heimreise anzutreten.