oder Zum Kaffeetrinken nach Griechenland
Der Überführungstörn von Lefkas nach Pula war mit unserer Charterfirma für den 07.02.2007 festgelegt.
Crew:
Franz Freymadl, Thomas Heißbauer, Uli Kluckow, Elisabeth Auberger, Johann Simmeth (Bimmerl), Georg Wolf, Matthias Rabl.
Donnerstag, 07.02.2008
Ab 01:30 werden alle Mitfahrer eingesammelt. 03:00 Uhr ist Abfahrt in Heining Richtung Flughafen München.
Der Start des Fliegers verzögert sich, da der technische Check etwas länger dauert, als vorgesehen. Das Flugzeug hatte noch in der Nacht ein neues Triebwerk erhalten (Routinewartung).
Wir sehen bereits das Meer unter uns, als wir einen eigenartigen Geruch wahrnehmen. Mir ist, als hätte ich diesen Geruch schon einmal im Auto bei der defekten Klimaanlage erlebt. Die Flugzeugcrew ist sichtlich nervös und versucht die Herkunft dieser sensorischen Störung zu ergründen. Dann werden belegte Brötchen und Getränke ausgeteilt, der Geruch verschwindet wieder.
Nach dem Einsammeln des zwangsläufig anfallenden Mülls, erregt eine Durchsage des Flugkapitäns unsere Aufmerksamkeit.
Er teilt uns mit, dass wegen dieses Geruchs der Flug abgebrochen wird und wir nach München zurückkehren.
Ohne Zwischenfälle setzen wir zum Landeanflug in München an. Als wir auf der Rollbahn aufsetzen trauen wir unseren Augen nicht. Wie in den schlechten Filmen fahren neben uns mehrere Feuerwehrfahrzeuge her und geleiten den Flieger zum Standplatz.
Dort warten schon Flugsicherungsdienst, Polizei und verschiedene andere Dienste. Offensichtlich war doch etwas mehr Grund zur Sorge, als wir mitbekommen hatten.
Die Passagiere und das Gepäck werden in eine andere Lufthansamaschine des gleiche Typs verbracht. Wir starten dann um 10:30 endgültig Richtung Athen.
Nachdem der Bus, mit dem wir ursprünglich nach Lefkas fahren wollten, natürlich lange weg ist, bemühen wir uns zunächst um ein Taxi. Ein Großraumtaxi, das uns 7 Personen aufnehmen kann, sollte doch zu finden sein. Das war leider ein Trugschluß. Die Fahrt mit dem Taxi von Athen nach Lefkas würde 790,- Euro kosten.
Wir sparen das Geld und fahren mit dem nächsten Bus vom Flughafen zum Busterminal. Auf der Fahrt rufe ich in der Marina an um mitzuteilen, dass wir voraussichtlich gegen 22:00 Uhr ankommen werden, damit das Schiff nicht wieder abgeschlossen wird.
Die freundliche Dame in der Marina teilt mir mit, dass wir uns nicht zu beeilen brauchen, weil das Schiff noch an Land steht.
Das Schiff steht noch an Land! In diesem Moment versinkt die Welt um mich herum. Wir haben doch mit der Chartergesellschaft den Termin vereinbart. Wir haben die Flugtickets über die Chartergesellschaft gebucht! Und jetzt teilt mir die Dame mit, dass das Schiff noch an Land steht! Für mich bricht in diesem Moment der ganze Törn in sich zusammen.
Das heißt, dass nichts vorbereitet ist. Nichts ist gecheckt! Was das aber konkret heißen soll, werden wir in den nächsten Tagen erst noch erfahren.
Am Busterminal Knifisos suchen wir uns das Ticketbüro für Lefkas. Um 16:30 fährt der Bus nach Lefkas los, gegen 22:00 Uhr sind wir in Lefkas. Dass wir dort ankommen, ist sicher nicht unbedingt selbstverständlich. Der Busfahrer fährt wie eine gesengte Sau. Aber er hängt zumindestens doch etwas am eigenen Leben, so dass wir Lefkas heil erreichen. Der Busbahnhof in Lefkas ist direkt neben der Marina gebaut worden. Deshalb ist das Schiff mit einem relativ kurzen Fußmarsch zu erreichen. Inzwischen schwimmt es an Steg C.
Wir richten uns ein und gehen noch in die Stadt zum Essen. Bei einem Grill kehren wir ein. Es wird uns ein gemischter Grillteller empfohlen. Quasi alles, was noch über dem Grill liegt, wird dabei verwertet.
Ich beisse in eine dunkle gerollte Masse. Der sofort einsetzende Würgereiz wird nur duch äußerste Konzentration beherrst. Diese Rolle besteht aus Schafinnereien, wie uns der Wirt zu verstehen gibt, eine Delikatesse. Ich halte mich davon aber frei und verzehre die "normalen" Fleischstücke und die Beilagen.
Nach zwei Uso (halbe Trinkgläser voll) hab´ ich aber den schlechten Magen immer noch nicht wegbekommen. Mit einigen Ziegelsteinen im Bauch gehts zurück zum Schiff.
Nächsten Morgen bin ich zunächst krank. Die Ziegelsteine wurden nachts nicht aufgelöst. Also nehmen sie den Weg wieder durch den Kanal zurück, den sie am Vorabend genommen haben. Ich geh´ schon mal opfern.
Der Wind weht beständig mit 35-40 kn. Also 7-8 Bft. Laut Auskunft der Marina, die bei der Port Police anruft, wird bei diesen Windstärken die Brücke nicht geöffnet, durch die wir das Hafenbecken verlassen könnten. Also bleiben wir den ganzen Donnerstag am Schiff. Wir checken die wichtigsten Vorrichtungen, eine Gruppe besorgt den Einkauf, ich hole die Schiffspapiere aus dem Büro von Paleros.
Die Segel sind natürlich nicht angeschlagen und können bei dem Wind auch nicht angebracht werden. Paleros sichert uns zu, dass am nächsten Morgen die Segel von ihnen angeschlagen werden.
Freitag, 08.02.2008.
Wind 40-45 kn. Das pfeift schon ordendlich. Das Schiff schiebt Lage, auch an der Mooringleine. An ein Anschlagen der Segel ist nicht zu denken. Auch heute wird die Brücke nicht geöffnet werden. Bei dem Wind ist es wohl auch zu gefährlich durch den engen Kanal (8 Meter breit) zu fahren. Nur unter Motor kommt man gegen diesen Wind (N-NE) auch nicht an. Ich möchte die Zeit nutzen und schon mal die Formalitäten für das Ausklarieren erledigen.
Im Büro der "Port Authority" wird mit freundlich, aber bestimmt mitgeteilt, dass die Schiffspapiere 1. Abgelaufen und 2. die abgelaufene Versicherungspolice nur in Kopie vorhanden ist.
Am Boden zerstört gehe ich zum Schiff zurück. Thomas beginnt sofort mit der Organisation. Er ruft beim ADAC in München an. Dort wird ein neuer "internationaler Bootsschein" ausgestellt und sofort an Paleros gefaxt. Man stelle sich vor, Freitag Nachmittag und man erhält noch ein offizielles Dokument! Nicht faßbar. Ich rufe bei Trend Travel Yachting in Österreich an und organisiere dort noch einen Versicherungsnachweis, der ebenfalls noch gefaxt wird.
Damit haben wir jetzt zwar zeitlich gültige Nachweise, aber die zweite Bedingung können wir trotzdem nicht erfüllen. Der Wind vereitelt aber sowieso das Anschlagen der Segel und damit bleiben wir auch die zweite Nacht in Lefkas.
Samstag, 09.02.2008.
Wind N-NE, 30-35 kn. Die Segel werden von Paleros nicht angeschlagen. Ohne Segel wollen wir aber nicht aufs offene Meer hinausfahren. Langsam sehe ich mehrere Probleme aufziehen.
- Das Zeitfenster wird immer kleiner. Am Donnerstag muss ich wieder zu Hause in der Firma sein. Ansonsten gibt es nicht nur bösen Ärger, sondern einen Supergau.
- Die Papiere sind zwar jetzt zeitlich ok, aber nicht im Original vorhanden. Dazu fallen mir mehrere Vorfälle ein.
1. Vor einigen Jahren war ich mit Bernhard einen Ausbildungstörn gefahren, der in Portoroz (Slowenien) mit der Prüfung abgeschlossen wurde. Da die Zeit drängte, klarierte Bernhard in Slowenien nicht aus, sondern wir fuhren direkt nach Umag um dort einzuklarieren. Der kroatische Beamte erklärte aber: illegaler Grenzübertritt, kostet (damals noch) 5000,- D-Mark. Ich weiß noch, dass mir damals das Herz in die Hose rutschte. Bernhard konnte die Situation klärren, indem er mit seinem alten Wasserschutzpolizei-Dienstausweis den Beamten überzeugte, dass darüber nochmals gesprochen werden sollte. Eine Crew, die den gleichen Weg wie wir gefahren war, war aber immer noch im Zollbüro, als wir den Hafen schon wieder verließen. Sie werden wohl gezahlt haben.
2. Vor nicht allzulanger Zeit wollte ich mit einem Schiff in Umag ausklarieren, da wir zur Prüfung nach Slowenien fahren mussten. Auf dem Schiff war der Versicherungsnachweis auch nur in Kopie vorhanden. Die Ausreise wurde uns aus diesem Grunde versagt.
Das waren die Vorfälle, die ich selbst erlebt hatte. Dazu gesellte sich die Aussage eines Kursteilnehmers, mit dem ich einen Kurs in Elsfleth besuchte. Dieser Kursteilnehmer machte Schiffsüberführungen und Skipperservice hauptberuflich und er erklärte mir, dass er bei Schiffsübernahme als erstes die Gültigkeit und Vollständigkeit der Schiffspapiere prüfe. Er wurde bei der Einreise in ein Land bereits einmal mehr als eine Woche festgehalten, weil ein Dokument nicht korrekt war.
Langsam reift in mir der Entschluss, die Überführung abzubrechen.
Sonntag, 10.02.2008
Wind N-NE, 20-30 kn. Der Wind war also heute nicht mehr das Problem. Die Segel waren zwar nicht angeschlagen, das müßten wir also selbst machen.
Ich erklärte der Crew, dass ich heimfliegen werde, da das Zeitfenster inzwischen nur mehr 3 Tage betrug und das Risiko, dass wir in Korfu beim Ausklarieren wieder zurückgeschickt werden, oder in Dubrovnik nicht einklariert werden, zu groß ist. Nachdem Matthias und Uli sofort erklärten, dass sie mitfliegen werden, entschloss sich auch Thomas die Aktion abzubrechen.
Von zu Hause aus wurden jetzt Flugtickets organisiert. Der Flug ging am Montag gegen Mittag. Für die Busfahrt von Lefkas bis zum Flughafen muß man mit 7 Stunden rechnen. Deshalb waren wir gezwungen, noch am Sonntag Abend das Schiff zu verlassen und mit dem Bus nach Athen zu fahren. Dort warteten wir 13 Stunden in der Abfertigungshalle. Wir kennen inzwischen die genauen Reinigungs- und Leerungspläne der Mülleinrichtungen. Auch alle Geschäfte und Kaffeequellen können wir exakt beschreiben. So richtig entspannend war aber das Warten nicht, da die Sitzlehnen fest verschraubt sind und damit ein Hinlegen nicht möglich ist. Endlich im Flieger dösen die meisten vor sich hin, bis wir nach 2 Stunden in München landen.
Fazit:
1. Ich hatte mich darauf verlassen, dass für eine Schiffsüberführung alles vorbereitet ist.
2. Ich war falsch gelegen. Es war nichts, aber auch gar nichts vorbereitet. Nicht einmal das Schiff war im Wasser. Das Schlimmste daran: Es ist niemand dafür haftbar zu machen, da es ja auch kein Chartertörn war, für den bezahlt wurde.
-> ausser Spesen nichts gewesen!!!
Diesen Bericht schrieb der zu Tode betrübte
Franz